Schon viele Jahre grübele ich darüber, warum gefühlt alle Menschen um mich herum, im Gegensatz zu mir, so viele Freunde haben. Ich höre ständig von Treffen mit Freunden, von Einladungen von Freunden am Wochenende. Für mich fühlt sich dieses Treffen von Freunden oft etwas inflationär an. Daraus folgt für mich die Frage: “Was stimmt mit mir nicht? Habe ich zu wenig Freunde?”
Was läuft schief in meinem Leben? Bin ich zu anspruchsvoll, zu kompliziert oder gar etwas zickig? Nein. Es ist viel einfacher. Der Begriff “Freundschaft” war für mich schon immer etwas anders definiert als für andere Menschen. Ich verwende das Wort “Freund/Freundin” zwar gelegentlich auch für Menschen, die eigentlich keine “Freunde” gemäß meiner Definition sind. Aber mein Umfeld kann sich dann leichter etwas darunter vorstellen, als wenn ich sagen würde, ich fahre Menschen besuchen, mit denen ich mich 3-4 mal im Jahr treffe, mit denen jedoch trotzdem immer viel Raum für Austausch ist. Allerdings handelt es sich dann, nach meiner Definition, um gute Bekannte. Es handelt sich nicht um Freundschaft im Sinne von wöchentlichem Telefonieren, regelmäßigen Urlauben oder häufigen Mädelstreffen. Und das aus einem einfachen Grund: Ich brauche es nicht. Und, ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: es wäre mir zu viel! Und dennoch sind diese Menschen für mich sehr wertvoll.💎
Ich habe gelernt, dass mich Gespräche und Austausche mit viel Kontakt nicht mit Energie füllen, sie kratzen häufig an der Oberfläche und lassen mich leer zurück. Es entsteht (leider) häufig Small Talk. Ich rede nicht über Klamotten, selten über meine Kinder, über Schminke, den nächsten oder letzten Urlaub, das Fernsehprogramm und die große Weltpolitik. Meine Themen sind anders.
Trotzdem bin ich offen für Begegnung, nehme aber nicht jedes Angebot an. Ich prüfe, ob es passt und erspüre, wie sich eine Begegnung auf mich auswirkt: Bin ich erfüllt oder bin ich energetisch ausgebrannt. Treffe ich auf Resonanz? Nährt es mich? Habe ich neue Erkenntnisse gewonnen und bringt mich das vorwärts? Und damit meine ich nicht, nützt mir dieser Kontakt um zu “connecten” oder für Business-Kontakte. Ich habe schon Menschen erlebt, deren Handykontaktarchiv nur aus “nützlichen” Kontakten bestanden hat.
Mein Leben ist nicht erfüllt/gefüllt durch viele Kontakte oder die ständige Gegenwart anderer. Ich möchte mit Menschen in Verbindung sein und in Resonanz gehen, weil ich sie liebe und weil sie mein Leben bereichern.
Warum haftet an dem Freundschaftsbegriff nun aber ein bestimmtes Bild? Wieso MUSS man eine lange Liste von Freunden haben? Aus welchem Grunde müssen (Frauen-)Freundschaften nach dem “Sex and the City”-Bild funktionieren? Ist das wirklich Freundschaft? Vier Freundinnen sitzen in Bars und Cafés, auf Parties und entwickeln sich in diesen (gefühlt) 1000 Folgen überhaupt nicht weiter. Sie lästern, sie bemitleiden sich selbst und sich gegenseitig - aber Weiterentwicklung? Fehlanzeige! Die Impulse kommen oft nur vom außen. Mein ganzes Leben habe ich mich gefragt, wieso ich niemals dauerhaft Teil einer solchen Freundinnen-Konstellation war. Antwort: Weil ich nie das Gefühl hatte, Wachstumsimpulse mitzunehmen.
Was bedeutet Freundschaft für mich dann wirklich? Echter Austausch, gemeinsame Entwicklung, gegenseitiges Nähren. Ich möchte nichts künstlich am Leben erhalten, nur weil man irgendwann beschlossen hat, das sei jetzt eine Freundschaft. Vielleicht war man damals "nur" durch Lebensumstände verbunden: Kinder, Nachbarschaft, Job, “Freunde von Freunden” - doch echte Freundschaft braucht mehr.
Für mich gilt: Eine echte Freundschaft kann nur Bestand haben, wenn sie wachsen darf. Sie hält auch mal ein “Nein” aus, ohne Beleidigtsein oder schlechtes Gewissen.
To make a long story short: Wen nenne ich denn nun Freund oder Freundin? Denn, ja, kaum zu glauben, ich habe solche Menschen in meinem Leben 😉. Ich habe viele (gute) Bekannte, aber nur ein paar echte Freunde👩🏻❤️👩🏼💑🏼. Der Begriff “Freund/Freundin” ist im Handy-Speicher schnell gesetzt, doch nicht jeder Kontakt hat die Tiefe einer Freundschaft. Eine Freundschaft braucht Zeit zum Wachsen. Daher unterscheide ich zwischen Freunden und Bekannten bzw. guten Bekannten. Freunde sind für mich Menschen, zu denen ich eine tiefe, nicht von Nutzen geprägte Verbindung habe, die Pausen und Unstimmigkeiten aushält. Ich kann mit und an Freunden wachsen. Das ist für mich wundervoll! Freunde sind Menschen, zu denen ich immer wieder eine Verbindung finde. Zwischen ihnen und mir existiert ein Band, das nicht zerreißt.
Am Ende zählt nicht die Anzahl der Kontakte, sondern die Tiefe der Verbindung, die von Dauer ist.
❤️Jedenfalls für mich. ❤️
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